Mittwoch, 4. April 2012

Quote vs. Chancengleichheit

Starre Quoten verhindern die Chancengleichheit. Warum? Weil bei einer Quote automatisch anhand bestimmter Parameter vordefinierte Gruppen bevorzugt behandelt werden (müssen). Damit mindern sich allerdings die Chancen derjenigen, die nicht dieser vordefinierten Gruppe angehören.
Ein Beispiel: Ein DAX-Unternehmen setzt sich das Ziel, bis Ende des Jahres 2013 seinen Vorstand mit 40 % weiblichen Mitgliedern zu besetzen. Notfalls werden dann männliche Vorstandsmitglieder „gekickt“, damit für die Damen überhaupt erst der erforderliche Platz geschaffen wird. Schließlich kann man nicht einfach so zusätzliche Vorstandsressorts aus dem Boden stampfen (ok, man könnte schon, wenn man es wirklich wollte, riskiert allerdings im selben Moment seine Glaubwürdigkeit). Die Glaubwürdigkeit verliert man aber ebenso, indem man - um der lieben Quote willen - erfahrene Männer aus der Vorstandsriege entlässt, um weniger erfahrene Frauen in den Vorstand zu heben. Sicher - irgendwie müssen die Damen die Erfahrungen auch sammeln können. Dies aber auf Kosten der Männer zu tun, zeugt von wenig Emanzipation und Gemeinschaftssinn; beides übrigens immer wieder hochgelobte Kennzeichen der modernen Frau.
Die Quote gibt’s ja mittlerweile auch an den Schulen: Da muss unbedingt der Anteil der Nichtakademikerkinder an den Gymnasien erhöht werden, um Chancengleichheit unabhängig von der Herkunft zu demonstrieren. Gleichzeitig müssen allen Kindern - stammen sie aus Akademikerfamilien, aus dem Proletariat (dieses Wort wollte ich schon so lange mal in meinem Blog verwenden - endlich hat’s geklappt) oder haben sie einen Migrationshintergrund - dieselben Chancen auf höhere Bildung geboten werden. Dabei bleibt völlig außen vor, ob das einzelne Kind die Anforderungen für den Zugang zu dieser höheren Schulbildung überhaupt erfüllt. Auf Teufel komm raus werden Empfehlungen für den Besuch des Gymnasiums ausgesprochen, die Ottilie Normalverbraucherin einfach nicht mehr nachvollziehen kann. Und wenn das Kind diese Empfehlung nicht bekommt, dann klagen die Eltern vor dem Verwaltungsgericht (oder drohen auch nur mit einer solchen Klage) und schwupps kann der Sprössling auch auf dem Pfad der Vermittlung umfassenden Wissens wandeln. Manchmal führt dieser Pfad allerdings - aus den unterschiedlichsten Gründen - in die Irre, weil das Kind nicht über den erforderlichen Kompass und die Karte (also die Voraussetzungen für den Besuch dieser Schulform) verfügt. Dann bleibt es entweder sitzen, was gar nicht gerne gesehen wird, weil es die Schule im Vergleich zu anderen Schulen, die ihre Schüler konsequent immer das Klassenziel erreichen lassen, schlechter dastehen lässt. Oder dieses Kind wird per Querverweis in die nächsthöhere Klasse einer anderen Schulform (Realschule, Regelschule, Hauptschule - was auch immer gerade das nächste ist; da blickt man ja auch kaum noch durch, so viele Möglichkeiten gibt es) versetzt.
„Schuster, bleib bei deinen Leisten!“, möchte man manchen Eltern zurufen, die ihren Kindern diese Tortur antun. Dabei wäre es doch umso stressärmer und damit einfacher für das Kind, es würde - wenn es nicht von der Grundschule direkt die Empfehlung für den Besuch eines Gymnasiums bekommt - zunächst eine Realschule besuchen und im Anschluss daran, wenn die Leistungen entsprechend sind, das Abitur anstreben. Idealerweise könnte das sogar im Zusammenhang mit einer Berufsausbildung geschehen - wie es in der DDR nicht unüblich war (damals waren die Bedingungen für den Besuch der EOS (vergleichbar der gymnasialen Oberstufe) zwar etwas anders gelagert als ausschließlich an die schulischen Leistungen geknüpft, aber das Prinzip, dass jeder, der nach dem Abschluss der 10. Klasse einen Beruf erlernt, gleichzeitig auch die Hochschulreife erlangen konnte, war schon viel wert).
Der unbedingte Wille, durch eine Quotenregelung - nichts anderes sehe ich in der aktuellen Bildungspolitik - eine heterogene Schülerschaft herzustellen, geht dabei eindeutig zu Lasten der Qualität. Um nicht zu viele „Ehrenrunden“ und/oder Querverweise zu produzieren, orientieren sich die Lehrkräfte nicht mehr an einem verbindlichen Lehrplan, der festlegt, welche Inhalte innerhalb welcher Zeiträume vermittelt werden müssen, sondern nur noch am schwächsten Schüler innerhalb einer Klasse. Huch und plötzlich haben Achtklässler keinen blassen Schimmer von Parabeln und linearen Gleichungen... Wie das nur kommt? Aber Hauptsache, alle schneiden gleich schlecht ab, dann wird wenigstens niemand diskriminiert. Oh, armes Deutschland!
Chancengleichheit sollte unbedingt an gleiche Einstiegsvoraussetzungen geknüpft sein. Das gilt für die schulische Laufbahn ebenso wie für die Karriere im Berufsleben. Warum sollte ein Unternehmer verpflichtet werden, bei gleicher Qualifikation eine Frau einzustellen? Könnte dagegen nicht jeder männliche Bewerber wegen (teilweise sogar bereits in den Stellenausschreibungen angekündigter) Diskriminierung klagen? Können und müssen berufsfremde Lebenserfahrungen bei der Erstellung eines Qualifikationsprofils berücksichtigt werden? Wenn ja: Wie? Das Organisationstalent einer alleinerziehenden Mutter hat mancher Manager nicht, da organisatorische Angelegenheiten oftmals durch dessen VorzimmerDAMEn erledigt werden. Trotzdem bekommt ER die hierarchisch hohe Position mit entsprechend hohem Einkommen, während SIE in Teilzeit für einen mickrigen Stundenlohn arbeiten gehen darf und von diesen Erwerbseinkünften nicht leben kann, sondern noch die staatliche Minijobsubvention - auch „Aufstockung“ genannt - in Anspruch nehmen muss.
Genau genommen werden in unserer Gesellschaft immer mehr leistungsbereite und leistungsfähige Menschen durch Quote und Geschwafel von hochgepriesener Chancengleichheit ausgebremst. Schließlich hat nicht jedes begabte Kind betuchte Eltern, die es auf eine Privatschule schicken könnten, in der die individuellen Fähigkeiten und Talente des Kindes gefördert und nicht des lieben Friedens willen geopfert werden, damit nur ja auch der geringstbemittelte Schüler noch irgendwie mitkommt und das Klassenziel erreicht. Das mag jetzt nach extremem Sozialdarwinismus klingen. Aber mal ehrlich: Möchten Sie, dass die Chancen Ihres Kindes auf dem Arbeitsmarkt später geschmälert werden, weil einige seiner Mitschüler einfach nicht das Zeug dazu haben, ein Gymnasium zu besuchen, seine Eltern diese „Chancengleichheit“ aber durchboxen konnten?

Freitag, 26. August 2011

USP = ASM

Was soll das denn bitteschön heißen? USP, ASM, LMAA oder was? Aaaalso: der USP bezeichnet den "Unique Selling Point", also gleichzeitig das ASM, das "Alleinstellungsmerkmal"... Ist Werbesprech und muss nicht auf Anhieb von jedem verstanden werden. Deshalb erkläre ich das mal an einem (bzw. mehreren) Beispiel(en):

E-Books sind auf dem Vormarsch, seitdem es mittlerweile ganz passable Reader dafür gibt. Doch unterscheiden sich die Reader der einzelnen Hersteller derart, dass nicht jedes E-Book auch auf jedem beliebigen Reader gelesen werden kann. Im ersten Moment erinnert das an den – mittlerweile ausgefochtenen – Kampf zwischen Blue-Ray-Disc und HD-DVD sowie VMD. Blue-Ray hat sich durchgesetzt. Wer sich seinerzeit einen HD-Player anschaffte und stolz darauf war, diese innovative Technik zu nutzen, hat jetzt das Nachsehen: Es werden keine Filme mehr in diesem Format angeboten (abgesehen von Restbeständen). Gut, diese Leute können irgendwie auch stolz darauf sein, etwas zu besitzen, was nun niemand mehr kaufen kann. Aber ob sie das beim Kauf der damals teuren Geräte beabsichtigt hatten? Ich zweifle stark daran.
Ich find’s ja auch schade, dass ich nicht mehr einfach so auf den Inhalt von Disketten zurückgreifen kann, weil in meinem PC wie auch in meinem Laptop der dafür vorgesehene Schacht einfach leer bzw. geschlossen ist. Statt dessen sind jetzt an den unmöglichsten Stellen USB-Ports angebracht, dass einem schwindlig werden kann.

Doch es scheint inzwischen ein grundlegendes Problem zu sein, aus technischem Fortschritt eine Art War for Clients auszufechten und damit den ultimativen Wettbewerb um die Vormachtstellung auf dem Markt mit dem Ziel, ein Monopol zu errichten, anzukurbeln. Microsoft und Apple haben es vorgemacht und konsequent durchgezogen. Noch heute - nach über 30 Jahren seit Gründung dieser beiden Firmen - können Nutzer der einen Software nicht mal eben mit Nutzern der anderen Software Dokumente austauschen, um gemeinsam an Projekten zu arbeiten.

Es muss einfach jeder sein eigenes Süppchen kochen und nicht zulassen, dass Konkurrenzprodukte sich einfach so einschleichen...

Ein weiteres - aus meiner Sicht haarsträubendes - Beispiel hierfür sind banale Radmuttern am Auto. Wusstet Ihr, dass man mit einem handelsüblichen Radmutternschlüssel (der nach Auskunft des Tankwarts auf eigentlich alle gängigen Modelle passen sollte) nicht die Radmuttern an einem Ford lockern bzw. anziehen kann? Die sind nämlich größer (oder kleiner? - egal!). Diese Erkenntnis musste ich lernen, als ich spätabends an einer Landstraße mal einen Reifen wechseln musste bzw. wollte. Ich konnte ja nicht, weil der doofe Schlüssel, den ich aus meinem Vorgängerwagen (Opel) mitgenommen hatte, als das gute Stück verschrottet wurde, einfach nicht passen wollte. Der gelbe Engel vom ADAC war sehr nett und hilfsbereit, konnte sich aber weder das Schimpfen auf die Hersteller noch das Lachen über die Situation an sich verkneifen. War ja auch zum Schreiben komisch: Blondine versucht verzweifelt, mit einem nicht passenden Schlüssel die Radmuttern zu lösen, um alleine und ohne männliche Hilfe ein Rad auszuwechseln... Sah ein bisschen doof und hilflos aus und wäre in einer Comedy sicherlich ein guter Brüller.

In diesem Sinne:
  1. Alleinstellungsmerkmale mögen für den Hersteller auf den ersten Blick toll sein (ist schließlich was Besonderes), sind aber in der Praxis für den Nutzer oftmals eher ein Hemmschuh.
  2. Die besten Geschichten schreibt immer noch das wahre Leben.

Montag, 25. Juli 2011

Eine Frage des guten Geschmacks

Das Zentrum der Gesundheit der Gesellschaft für Ernährungsheilkunde GmbH hat auf seiner Website einen Hinweis mit Datum vom 02.10.2007, in dem es vor dem Einsatz des Geschmacksverstärkers Glutamat in „unzähligen Fertignahrungsmitteln und Würzmitteln“ warnt, da es sich „hierbei um einen der schwersten, legal zugelassenen Gehirnzerstörer handelt“. Im wahren Leben steckt Glutamat in vorrangig asiatischem Essen, aber auch in Fertig- und bzw. Tiefkühlgerichten, Tütensuppen, Kartoffelchips oder Würzsoßen. Sogar naturbelassene Lebensmittel enthalten den Geschmacksträger Glutamat.
Heute gibt's asiatisch © Grace Winter / pixelio.de
In Verruf bzw. in die Kritik geriet Glutamat bereits vor ca. 30 Jahren, als immer wieder Menschen verstärkt nach dem Genuss chinesischen Essens an diversen Beschwerden (Kribbeln und/oder Taubheit in Nacken, Armen und Rücken, Schwächegefühle, Herzklopfen) litten.



Daher hat diese Auffälligkeit auch die landläufige Bezeichnung „Chinarestaurant-Syndrom“ erhalten. Umfangreiche Studien ergaben ironischerweise, dass Asiaten, die nachweislich etwa drei Viertel des weltweit produzierten Glutamats verzehren, nicht von diesen Beschwerden betroffen sind. Mehrheitlich Amerikaner und Europäer stellten einen – übrigens in so genannten Doppelblindversuchen, bei denen die Versuchsperson nicht weiß, ob sie Glutamat erhielt oder nicht, nicht nachzuweisenden – Zusammenhang zwischen dem Genuss chinesischen Essens und zeitlich danach auftretenden Beschwerden her.
Die deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. vertritt die Ansicht, die „rationelle Verwendung von Glutamat zur Würzung“ sei „für die Allgemeinheit unbedenklich“ und stünde „in keinem Widerspruch zu einer gesundheitsbewussten Ernährung“. Diese Meinung und ihre Begründungen sind nachzulesen in der DGE-aktuell 08/2003 vom 10.06.2003, auf der Website der DGE ist dies die aktuellste Aussage zum Thema Glutamat und Gesundheit.
Das allerdings nur als Vorgeplänkel. Seit einiger Zeit läuft ja wieder eine „Glutamat-ist-Teufelszeug“-Schlacht, wenn sogar in Radionachrichten vor der Gesundheitsschädlichkeit des Geschmacksverstärkers Glutamat gewarnt wird. Es ist allerdings seltsam bzw. auffällig, wenn eine solche Kampagne anläuft, kurz nachdem und während die führenden Tütensuppenhersteller Deutschlands nahezu ihr gesamtes Sortiment von diesem Zusatzstoff befreit haben. Der Verbraucher wird auf den Tüten an prominenter Stelle darauf hingewiesen, dass dieses Produkt ohne den Zusatz von Glutamat hergestellt bzw. auf die Verwendung von Geschmacksverstärkern verzichtet wurde (einige Produkte kommen auch noch ohne zusätzliche bzw. künstliche Farbstoffe aus, das ist aber wieder ein anderes Thema).
Sollen die Pülverchen von Maggi, Knorr & Co. uns jetzt (wieder einmal) als die Optimallösung für die Berufstätigen, die keine Zeit mehr zum Kochen mit frischen Zutaten haben, ans Herz gelegt werden? Oder wer steckt sonst dahinter? Es kann wohl kaum ein Zufall sein, dass diese Ereignisse (Befreiung der bekannten deutschen Marken-Tütensuppen von Glutamat und neueste Studien, die belegen, dass Glutamat jetzt aber echt und wahrhaftig sowas von gesundheitsschädlich ist) zeitlich so eng beieinander liegen, oder? Abgesehen davon beinhalten die Tütenprodukte Hefen, die ihrerseits ebenfalls „natürliche“ und „naturidentische“ Geschmacksverstärker darstellen.
Ich bin ja immer an Verschwörungstheorien interessiert, um mich gerne mal darüber lustig zu machen oder einfach auch mein Satirerepertoire aufzustocken. Aber manchmal komme ich schon auch selbst ins Grübeln, ob nicht ein paar Dinge doch von bestimmten Stellen (Einzelpersonen, Konzernen, politischen Vereinigungen, Regierungen etc.) ganz gezielt gesteuert werden... Das ist der Stoff, aus dem James-Bond-Filme sind - zumindest die alten und guten Exemplare. Man denke nur an Goldfinger und Blofeld, ganz zu schweigen von Dr. No mit seiner GOFTA.
Eben rennt mir eine ganz absurde (und deshalb vermutlich nicht gänzlich ohne ein - wenn auch kleines - Körnchen Wahrheit auskommende) Assoziation durchs Hirn: GOFTA = Glutamatize Our Food Trading Association. OK, das Wort „glutamatize“ habe ich soeben erfunden, das gibt’s nicht wirklich. Aber das ist in der wunderbaren Welt der Werbung ja auch nichts Neues.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Wir sind Griechenland! Franjo fängt an.

Kann sich noch jemand an die große “Du bist Deutschland”-Kampagne erinnern, die vor Jahren durch sämtliche Medien geisterte und zu der es ein supertolles Ironic Cover gab? Ich warte jetzt auf die große Medienkampagne zur Solidarität und Identifizierung der Bürger mit Europa im Allgemeinen und Griechenland im Speziellen. Da kann gerne die Leidenschaft für Gyros und Tzatziki herangezogen werden, griechischer Wein ist hierzulande ja eher musikalisch ein Genuss – und selbst der ist nur einer bestimmten Zielgruppe bekömmlich. Jedenfalls braucht Griechenland jetzt unsere Unterstützung, da es sich von der Wiege der Demokratie in einen Selbstbedienungsladen für einige wenige privilegierte Familien entwickelt hat. Diese Entwicklung muss irgendwie wieder in die richtigen Bahnen gelenkt werden, damit das Land nicht zu Grunde geht und seine europäischen Freunde mit in den finanziellen (und damit gesamtwirtschaftlichen) Ruin zieht.
Dieses “IndierichtigenBahnenlenken” gestaltet sich allerdings schwierig, da EUROPA sich nicht mal eben in innenpolitische Angelegenheiten seiner Mitgliedsstaaten einmischen sollte (das macht es zwar immer wieder; allein schon, indem es vorschreibt, welche Maße eine handelsübliche Gurke haben muss; reden wir aber nicht drüber, dann fällt das auch nicht weiter auf). Es kann aber genausowenig angehen, dass die europäischen Nachbarn, die der Eurozone angehören, jede Menge Geld an den griechischen Staat überweisen, welches anschließend stante pede wieder irgendwie – aus Sicht der Spender – “verjubelt” wird, indem lustig weiter so vor sich hingewurschtelt wird wie bisher.
Gerd Altmann/Shapes:dezignus.com/pixelio.de
Huch, jetzt hab ich plötzlich einen Ohrwurm – den Schlager “Eine Mark für Charly, denn Charly, der ist pleite. Wieder einmal Ebbe in seinem Portmonnaie” von Wencke Myhre aus dem Jahr 1979 (erschienen als 7. Track auf ihrer LP “So bin ich” – das aber nur als Hintergrundinfo für Fans).


Jedenfalls ist dieser Charly offensichtlich chronisch knapp bei Kasse, aber immer wieder gut am Feiern, weswegen er regelmäßig in die Bredouille gerät und auf eine Anzeige wegen Zechprellerei zusteuert. Die gute Wencke erbarmt sich, nimmt ihr neckisches Käppi vom Haupt und lässt die lustig-bunte Kopfbedeckung herumgehen, wobei sie singenderweise stellvertretend für Charly die übrigen Gaststättenbesucher anschnorrt. Jetzt könnte man sagen: “Ist doch nett von ihr, dem armen Charly aus der Klemme zu helfen, wenn er es selbst nicht mehr packt.” Ja, aber wenn sie das jedes Mal so macht, kommt dieser Charly nie im Leben auf den Trichter, dass er vielleicht irgendetwas in seinem Leben ändern sollte, um wieder auf eigenen Beinen stehen zu können.
In Bezug auf unsere griechischen Nachbarn (im Vorspann der Sendung “Nachbarn in Europa” – gibt’s die überhaupt noch? – waren auch Aufnahmen aus Griechenland zu sehen, die das Land als eher ärmlich darstellten) geistert die Diskussion der Finanzminister der Eurostaaten nun schon seit längerer Zeit immer wieder zwischen Euro-Rettungsschirm, Schuldenerlass, Umschuldung, sanfte Umschuldung, nächster Euro-Rettungsschirm, Euro-Rettungspaket undundund. Es könnt einem der Schädel platzen ob der vielen Bezeichnungen für ein und dieselbe Sache: Geld für Griechenland, damit es erst mal über die Runden kommt. Und wenn dieses Ziel verfehlt wird (wovon man leider ausgehen muss), dann wird die gute Wencke eben wieder singen, die übrigen Gäste anschnorren und dem Charly wieder aus der Patsche helfen. 

Ach so, wir waren schon weg von diesem Bild. Egal – Sie verstehen schon, was gemeint ist.

Keiner hat auch nur irgendwie einen Plan, ob und wie die “Geberländer” jemals die jetzt Griechenland zugeschusterten Milliarden wiederbekommen. Von Zinsen, wie dies in der Wirtschaft üblich ist, mag man nicht mal mehr kühn träumen. Die Banken, die dem Staat Griechenland immer wieder Kredite gewährt haben und es eigentlich hätten besser wissen müssen, da sich die Personen in den entsprechenden Positionen den ganzen Tag nur mit Geldwirtschaft und Geldpolitik beschäftigen (müssten, wenn sie nicht gerade Golf spielen oder den Ausblick vom Pissoir der Vorstandstoilette in der oberen Etage des Frankfurter Büroturms auf die Mainmetropole genießen), dürfen selbstverständlich auch nicht fallengelassen werden. Die muss man doch jetzt unterstützen, also bitte!
Privatleute können sich angesichts dieser Geldpolitik nur verwundert die Augen reiben und fragen, wie das überhaupt funktionieren soll. Doch muss man den Blick gar nicht so weit bis in den Süden Europas schweifen lassen: Ein Abstecher ins schöne Düsseldorf reicht schon. Dort hat die Sparkasse einem gewissen Franjo P. schließlich auch den Löwenanteil seiner Schulden erlassen. Dumm nur, dass irgendwer die Geheimhaltung nicht eingehalten hat und der Rest der Republik auch davon Wind gekommen hat: Von über 9 Millionen Euro musste Herr P. nur läppische 815.000 Euro zurückzahlen. Das macht gerade mal eine Quote von 8,76 %. Man ist geneigt zu fragen, wer oder was die Banker dazu bewegt haben mag, diesen Deal einzugehen.
Auf jeden Fall bin ich ernsthaft am Überlegen, ob ich nicht auch jede Menge Schulden mache und dann – unter Hinweis auf den Grundsatz der Gleichbehandlung gemäß Artikel 3 des Grundgesetzes – die Sparkasse darauf aufmerksam mache, dass sie nur 8,76 % davon zurückerwarten sollte. Der Gleichbehandlungsgrundsatz kommt zwar hauptsächlich in Fällen der öffentlichen Gewalt bzw. in weiterer Ausformulierung durch das Antidiskriminierungsgesetz vorrangig in arbeitsrechtlichen Konstellationen zum Tragen, aber das muss ich denen ja nicht gleich auf die Nase binden.  Jedenfalls bin ich mal gespannt, wie die Herren und Damen meiner Filiale darauf reagieren werden. Da ich aber weder mit dem blendende Aussehen des Herrn P. noch der gnadenlosen Marketingstrategie der zur Schau gestellten dreisten Dummheit seiner Frau (die gar nicht so dumm sein kann, da das Konzept offensichtlich aufgeht) aufwarten kann, befürchte ich, dass mein Vorhaben von eher weniger Erfolg gekrönt sein wird.
Tja  mir bleibt also nur, eisern zu sparen und meinen Lebensstil meinem Einkommen anzupassen – schließlich bin ich weder Griechenland noch Franjo. Aber wer will das auch schon sein?

Freitag, 1. Juli 2011

Koreanisches Abseits

Gestern fand in Frankfurt das WM-Spiel Deutschland gegen Nigeria statt. Ich hatte Karten und war mit der ganzen Familie dort. Die Atmosphäre im Stadion war prima, das Publikum – im Gegensatz zu den nigerianischen Damen (aber dazu später mehr) – äußerst fair und gut drauf.

Das Spiel an sich aber war die Hölle!!! Gefühlt hat unsere Mannschaft nicht nur gegen die nigerianischen Foulexperten, sondern gleichzeitig noch gegen die nicht unparteiische Schiedsrichterin aus Korea antreten müssen. Es war einfach unglaublich, was sich auf dem Rasen abspielte: Freistöße gab es prinzipiell nahezu ausschließlich für Nigeria, dafür wurden unsere Damen ständig ermahnt und es gab sogar eine gelbe Karte (ich weiß bis jetzt noch nicht, wofür überhaupt). Das erste Tor – geschossen von Kerstin Garefrekes – wurde nicht gegeben, da angeblich die Schiedsrichterin es wegen Abseits abgepfiffen haben soll. Seltsam nur, dass KG noch vor dem Schuss gezögert und zur Linienrichterin geschaut hat, deren Vileda-Wischlappen-Fähnchen allerdings nicht erhoben war. Sie durfte also davon ausgehen, dass sie nicht im Abseits gestanden hat, als der Pass gespielt wurde. Die Dame im gelben Dress in der Mitte des Spielfelds sah das dann aber anders und so stand es bis zur Halbzeitpause 0:0. Verständlich, dass die überwiegend deutschen Zuschauer darüber nicht amüsiert waren und es zu Unmutsbekundungen kam. Nach dem Abfiff zur Pause wurde dann zunächst für unsere Damen applaudiert und anschließend für die Gegnerinnen und die so genannten „Unparteiischen“, die nicht ganz so schnell in den Katakomben verschwanden, ein Pfeif- und Buhkonzert gegeben. In der Nachrichtenausgabe um 00:00 Uhr wurde dann gemeldet, die Fans hätten zur Halbzeit die Mannschaft mit Pfiffen in die Kabine geschickt. Das stimmt doch gar nicht! Die Pfiffe galten ausschließlich den Damen in grün/blau und gelb/schwarz.

Gott sei Dank hat Simone Laudehr nach der Pause dann den Ball im gegnerischen Netz versenkt. Damit hat sie zunächst mal für Aufatmen gesorgt, aber gleichzeitig den Kampfgeist der Nigerianerinnen noch mehr angestachelt. Die waren vorher schon recht raubeinig und eher als Holzfäller unterwegs denn als elegante Ballköniginnen. Aber nach dem Treffer ging es dann richtig zur Sache: Abgesehen davon, dass Melanie Behringer bereits in der ersten Halbzeit nach einem Zweikampf verletzt ausgewechselt werden musste, wurden die Zweikämpfe immer brutaler geführt. Ironischerweise lagen aber häufiger Spielerinnen im grünen Trikot jammernd auf dem Rasen als unsere Mädels. Als Schauspielerinnen im Fach Drama hätten sie alle einen Oscar verdient. Frech wie Oscar war dann schließlich noch Miss Sunday, als sie im deutschen 16er Linda Bresonik von hinten tätlich angriff, als von der Schiedsrichterin geklärt wurde, ob es jetzt Abstoß oder einen Eckstoß geben sollte. Allein dafür, dass LB sich gegen die – ich formuliere es mal ganz vorsichtig – stürmische Umarmung ihrer Kontrahentin zur Wehr setzte, wurde sie von der Koreanerin verwarnt. Miss Sunday wurde nicht mal böse angeschaut und machte direkt weiter mit ihren körperlichen Bedrängungen, als der Schuss aus dem Eck nahte. Während dieses Spielzugs wurde dann auch noch unsere Torfrau Nadine Angerer im 5m-Raum attackiert, wofür es – zumindest laut Regelwerk des DFB (Regel 12 – Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen); vielleicht gelten in Nigeria andere Regeln und/oder die FIFA hat für die WM ganz neue Spielregeln erlassen, die außer der gestrigen Schiedsrichterin niemand bislang kennt – eine Strafe hätte geben müssen.
In der heißen Schlussphase war es dann auch nicht mehr möglich, LaOlas über die Ränge zu jagen. Jeweils begonnen im Eck zwischen Haupt- und Osttribüne lagen sie bereits auf der Gegentribüne im Sterben. Es war aber auch nahezu unerträglich, machtlos zusehen zu müssen, wie unsere Damen auf dem heiligen Rasen die Hucke vollkriegen und die Täter oftmals für ihre Frechheiten noch belohnt wurden. Wenigstens konnte die deutsche Mannschaft die Führung bis zum Abpfiff behaupten und das Spiel als Sieger beenden.
Das Beste an der nigerianischen Mannschaft waren übrigens ihre Anhänger: In der Kurve zwischen Gegen- und Westtribüne stand ein Häufchen grün-weiß gekleideter Fans, die über die gesamte Spieldauer lustige Musik machten. Das fand ich sehr sympathisch.
Weniger sympathisch fand ich hingegen die Kapitänin unserer Mannschaft. Einst DAS Idol des Frauenfußballs schlechthin erschien Birgit Prinz gestern irgendwie antriebsschwach und lethargisch. Ideenlos und ohne großartig sichtbare Motivation schleppte sie sich durch das Spiel, bis sie in der 53. Minute ausgewechselt wurde. Anschließend klatschte sie – sichtlich erregt im negativen Sinn – die Trainer und Mannschaftskolleginnen ab und saß dann mit mürrischer Miene auf der Bank. Schade, ich hatte mich so sehr gefreut, sie mal live spielen zu sehen. Ich hatte sie schon oft im Fernsehen gesehen und war immer schwer beeindruckt bis begeistert von dieser grandiosen Ballkünstlerin. Hoffen wir, dass sie gestern einfach nur schlecht drauf war und im nächsten Spiel wieder richtig rockt.
Ich hoffe ja sehr, dass die Damen am kommenden Dienstag gegen Frankreich gewinnen und dann auch das Viertelfinale für sich entscheiden. Dann sehe ich sie nämlich im Halbfinale am 13. Juli wieder im Frankfurter WM-Stadion. Ich freu mich jetzt schon drauf!

Montag, 27. Juni 2011

It’s raining, men!

(Das Komma habe ich ganz bewusst dahin gesetzt, wo es in der Überschrift steht!)
Wegen Blitzeinschlags war ich momentan am onlinesein gehindert, deshalb erscheint dieses Posting mit zweitägiger Verspätung.
Es regnet, es regnet, die Erde wird nass. Jawoll, es regnet. Wurde ja auch mal langsam Zeit. Hauptsache, es hat sich ausgeregnet, wenn morgen Abend die Fußballdamen die WM einläuten. Dann will ich technische Finesse auf dem Rasen sehen – weniger einen Wet-T-Shirt-Contest. Darum geht’s schließlich nicht beim Frauenfußball. Obwohl – wenn man so einigen Herren der Schöpfung zuhört, warten die (mehr oder weniger brav) 90 Minuten und die Halbzeitpause nur darauf, dass endlich mal die Spielerinnen auf die Idee kommen, es ihren Herren Kollegen gleich zu tun und die Trikots zu tauschen. Offensichtlich ist bei diesen Mannsbildern immer noch nicht durchgesickert, dass Frauenfußball ein ernst zu nehmender Sport ist, wo ordentlich Leistung gezeigt wird – selbst wenn die Damen nicht dermaßen fürstlich dafür belohnt werden wie ihre männlichen Kollegen.
„Frauenfußball WM 2011“ © Wolfgang Pfensig/pixelio.de

Das ist mal wirklich eine Schande: Ganz Deutschland diskutiert sich die Köpfe heiß und den Mund fusselig darüber, ob man Gleichberechtigung im Berufsleben wirklich leben kann, welche Voraussetzungen dafür notwendig sind und noch eingerichtet werden müssen und ob eine Frauenquote das Nonplusultra auf dem Weg dahin darstellt. Wenn aber die Frauen wirklich mal auf einem Gebiet mehr Leistung zeigen als die männlichen Counterparts, dann wird das elegant übergangen und man tut am besten so, als habe man es nicht bemerkt. Es kann doch nicht unter den Teppich gekehrt werden, dass die Mädels jetzt die Eroberung des dritten WM-Titels in Folge anstreben (das wäre dann der vierte WM-Titel überhaupt, also einer mehr als die Fußballherren hätten). Es darf auch nicht verschwiegen werden, dass die Frauen kaum von ihren „Profiverträgen“ leben– geschweige denn, sich ein Polster ansparen können, damit sie in der Lage sind, die Zeit nach der Profikarriere entspannt anzugehen und in Ruhe über den weiteren Berufsweg nachzudenken.
Umso interessanter ist allerdings die Tatsache, dass man weniger Schlagzeilen von Pleitegeiern unter ehemaligen Profisportlerinnen liest als von Ex-Sportlern. Liegt das vielleicht daran, dass die Damen weniger laut hinausposaunen, dass sie finanziell auf dem absteigenden Ast sind? Und bedeutet das – wenn man den Faden mal weiter spinnt –, dass möglicherweise die Frauen besser mit den ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln haushalten können oder aber – wenn sie denn wirklich in Geldnot sind – einfach weniger jammern und eher alles daran setzen, aus der Notlage herauszukommen (möglichst auch noch aus eigener Kraft)… Diese Gedankenflut muss ich erst mal einsickern lassen und genüsslich durchkauen.
Fassen wir also kurz zusammen:
1. Frauen verdienen bei mindestens gleicher Leistung dennoch weniger Geld.
2. Frauen gehen nicht so oft pleite wie Männer.
3. Wenn Frauen doch mal am finanziellen Abgrund stehen, gehen sie damit nicht an die Presse, sondern raffen sich wieder auf.
Jetzt bin ich vom Regen zwar nicht in die Traufe, aber irgendwie zu einem völlig anderen roten Faden gekommen. Kehren wir also noch einmal zurück zur Wetterlage – schließlich sagt man ja auch „warmer Regen“ zu einem Geldgewinn. Wenn die Damen also tatsächlich den Titel holen, dann wünsche ich ihnen einen ganz tollen, strömenden warmen Regen (also nur in finanzieller Sicht, nicht meteorologisch). Und wenn sie den Titel dieses Mal nicht holen sollten (andere dürfen schließlich auch mal), dann wünsche ich unseren Damen, dass die Fans sie nicht im Regen stehen lassen, sondern das Fußballsommerfest trotzdem ausgelassen und fröhlich feiern.

Dienstag, 14. Juni 2011

KinderGELD – ein etwas anderes Sparpotential für den Staat

Heute in allen Nachrichten: Es soll so viele Selbstständige Unternehmer geben, die ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken müssen, dass der Staat darüber nachdenkt, wie er diesen Ausgabenfluss stoppen kann. Irgendwoher kam plötzlich so ein Verdacht, dass es wohl schwarze Schafe gebe, die sich „arm rechnen“, um so vom Staat ihre Krankenversicherung, ihre Wohnung und/oder noch einen Teil des Bareinkommens finanzieren zu lassen.
Jetzt mal im Ernst: Ist das wirklich so neu? Es soll ja sogar Selbstständige geben, die sich arm rechnen, um unliebsamer Unterhaltspflichten gegenüber ihren Kindern und vielleicht sogar auch noch einer Exfrau zu entgehen… Seltsam nur, dass der Staat in solchen Fällen bislang immer nur – bildlich gesprochen – mit den Schultern gezuckt und bis zu sechs Jahre lang Unterhaltsvorschuss in Höhe des Mindestsatzes gemäß Düsseldorfer Tabelle gezahlt hat. Nach den sechs Jahren hat das Kind – und in dessen Vertretung der alleinerziehende Elternteil (meist die Mutter und Exfrau des Unterhaltspflichtigen) – finanziell in die Röhre geguckt.
Während die Mutter für jede Sonderausgabe bei diversen Stellen Klinken putzen, betteln gehen und alles Mögliche bei Beantragung von Sonderleistungen nachweisen musste, konnte sich der Selbstständige entspannt zurücklehnen: Seine Unterhaltspflicht bemaß sich schließlich an Hand seiner Steuererklärung aus zurückliegenden Jahren. Das aktuelle Einkommen war meist irrelevant – umso mehr, sofern eine Anfrage nach Offenlegung des Einkommens weniger als zwei Jahre zurücklag. So konnte der vermeintlich erfolglose Unternehmer den Segeltörn mit der niedlichen Sekretärin als Geschäftsreise verbuchen und den neuen Flatscreen dem Equipment für Videokonferenzen zuschlagen. Richtig gewiefte Unterhaltsverweigerer gehen noch einen Schritt weiter auf der nach unten offenen Peinlichkeitsskala: Sie schenken dem Nachwuchs zu Weihnachten einen Laptop, welcher selbstverständlich buchhalterisch dem Bürobestand zugerechnet wird. Mit diesem Schritt haben sie gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen:
  • dem Kind ein supertolles Geschenk gemacht;
  • bürobedingte Ausgaben generiert, was
  • den Gewinn des Unternehmens minimiert und damit konsequenterweise
  • das der Berechnung eines möglichen Unterhaltsanspruchs zu Grunde liegende Einkommen gemindert.
Das Kind durchschaut dieses Geflecht natürlich nicht, da es den Überblick nicht haben kann, sondern erfreut sich am neuen E-Spielzeug und hat keine Ahnung, dass es dieses Geschenk letztendlich selbst finanziert hat.
Die ehrlichen Unterhaltspflichtigen, die von sich aus auf die Unterhaltsberechtigten zukommen und über höhere Einkommen und damit auch höhere Unterhaltszahlungen informieren (und die Zahlungen dann einfach vornehmen), sind scheinbar in der Minderheit (ich freue mich über jede Zuschrift, die mich eines Besseren belehrt). Bei vielen Unterhaltspflichtigen – hauptsächlich Männern – sitzen einfach Verletzungen, die sich die Elternteile im Rahmen Trennung gegenseitig zugefügt haben, zu tief, als dass sie den Fokus ungetrübt auf die Belange (und in erster Linie das Wohl) der Kinder richten könnten. Sie sehen nur, dass sie den Unterhaltsbetrag auf ein Konto überweisen sollen, welches sich im „Hoheitsbereich“ der Ex befindet – und das verstellt automatisch den Blick auf das Wesentliche: Die Ex ist verpflichtet und meistenfalls auch in der Lage und ausschließlich daran interessiert, dieses Geld für Kindesangelegenheiten zu verwenden. Man(n) muss ihr in dieser Hinsicht ein Vertrauen entgegen bringen, was unter den gegebenen Umständen schwer fällt. Die Leidtragenden sind dann wieder die Kinder.
Es ist allerdings schon interessant, dass angesichts der angespannten Haushaltslage und der Verpflichtungen, die der deutsche Staat im Rahmen des Euro-Rettungsplans eingegangen ist, plötzlich das Augenmerk von staatlicher Seite auf die vermeintlichen Drückeberger fällt. Allerdings gehen die aktuellen Überlegungen einfach nicht weit genug: Man sieht nur ein konkretes Sparpotential, welches sich auf die Zuschüsse (Hartz IV) für die Selbstständigen beschränkt. Die weitergehenden Möglichkeiten, wonach der Staat sich auch jede Menge Unterhaltsvorschüsse an Kinder solcher Unterhaltsverweigerer sparen könnte, werden (zunächst) überhaupt nicht in Betracht gezogen. Man könnte meinen, es fiele niemandem auf, was da teilweise (leider viel zu oft) für Spielchen getrieben werden, damit einige Personen sich mehr oder weniger elegant – auf jeden Fall aber billig – aus der Affäre ziehen können und anderen – nämlich dem Staat und damit den ehrlichen Steuerzahlern – ihre Verpflichtungen aufbürden.
Ähnliche Beispiele des Sicharmrechnens gibt es auch auf dem Gebiet des Sozialleistungsbetrugs, wo Arbeitnehmer als geringfügig Beschäftigte angemeldet werden, damit sie sich die – im Normalfall höheren – (Regel-)Beiträge zur Sozialversicherung sparen können. Von Schwarzarbeit wollen wir hier mal gar nicht erst anfangen… Denen sind ja die Fahnder von Finanz- und Zollbehörden immer kräftig auf der Spur – oder auch nicht.
Wer – frage ich mich in diesem Zusammenhang – verfolgt eigentlich die Unterhalts(teil)verweigerer, wenn z.B. die Anspruchsberechtigten nicht in der Lage sind, dauernd vor Gericht um die Befriedigung ihrer Ansprüche zu kämpfen (wenn die Mutter beispielsweise einen Tick zu viel verdient, um Prozesskostenhilfe gewährt zu bekommen, aber dennoch das Geld für Gerichtskosten und Anwalt nicht mal eben auf der hohen Kante hat, sondern grade so über die Runden kommt)? Warum sperren sich die Behörden und speisen Hilfe suchende Mütter nicht selten ab mit den Worten: „Seien Sie doch froh, dass er überhaupt zahlt!“.
Bilde ich mir das nur ein oder werden Kinder und ihre Belange wirklich nicht wahr- und somit auch ernst genommen?